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Einfluss von Klimawandel und Landnutzung auf Toteiskessel und andere Kleingewässer

Toteiskessel und andere kleinere Stillgewässer (hier unter „Teiche“ zusammengefasst) gehören im Offenland zu den besonders gefährdeten Lebensräumen, die vielfach beseitigt wurden. Noch vorhandene Gewässer sind durch Verlandung und klimabedingte Austrocknung bedroht. Anhand von 71 Kleingewässern in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Mühldorf, für die Daten von Zahn (1990) aus dem Jahr 1988 vorlagen, konnte das Ausmaß der Veränderung nun quantifiziert werden. Die Erhebung und Auswertung der Daten übernahm Tobias Mahr im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der HSWT, betreut von Prof. Christoph Moning, Prof. Kristian Förster und PD Dr. Andreas Zahn.

18 % der Gewässer wurden zwischenzeitlich beseitigt. Von den 58 verbliebenen Gewässern zeigten 24 % starke Verlandungstendenzen. Die Wasserstände waren 2024 aufgrund extremer Regenfälle im Frühjahr ungewöhnlich hoch, was anhand überfluteter Landvegetation offensichtlich war. Zieht man die Höhe der Überschwemmung, also die Wasserhöhe über der überfluteten Landvegetation ab, lässt sich der mittlere Wasserstand der letzten Jahre einschätzen. Nach einer entsprechenden Korrektur der 2024 gemessenen Werte zeigte sich, dass die Wassertiefe im Schnitt um rund 65 % abgenommen hat und dadurch etliche ehemalige Dauergewässer nun als periodisch austrocknend anzusehen sind. Durch Gehölzwachstum am Ufer hat die Beschattung der Gewässer im Schnitt um 24 % zugenommen; manche Gewässer sind inzwischen völlig beschattet. Besonders bei Toteiskesseln ist eine Abnahme der von Schwimmblatt- oder submerser Vegetation bedeckten Fläche um jeweils rund 9 % feststellbar. Dichtes Röhricht hat bei diesem Gewässertyp um 27 % zu, lockeres Röhricht hingegen um 25 % abgenommen. Bei Teichen war die Tendenz nicht ganz so ausgeprägt. Insgesamt nahm die Röhrichtfläche bei Toteiskesseln zu (im Schnitt um 13 %). Bei Teichen blieb sie gleich. Bezogen auf die Landnutzung im Umfeld der Gewässer hat Grünland ab- und Ackerflächen zugenommen. Eutrophierungszeiger treten am Ufer häufiger auf als früher.

Insgesamt sind die Gewässer flacher, beschatteter und stärker zugewachsen als 1988, ihr Umland wird intensiver genutzt. Für wichtige Zielarten wie Kammmolch, Laubfrosch und Kleinem Wasserfrosch aber auch für viele Libellenarten bedeuten die höhere Beschattung und die Ausdehnung des dichten Röhrichts eine erhebliche Verschlechterung der Habitatqualität. Maßnahmen wie eine Entlandung oder die Reduktion von Gehölzen sind in vielen Fällen angezeigt.

Gewässer mit unmittelbarem Handlungsbedarf wurden gesondert gelistet und den Naturschutzbehörden und Landschaftspflegeverbänden der drei betroffenen Landkreise übermittelt.

Quellenangabe:

Zahn, A., Mahr, T. (2024): Einfluss von Klimawandel und Landnutzung auf Toteiskessel und andere Kleingewässer. Unveröffentlichtes Gutachten im Auftrag des Bund Naturschutz, München. 17 Seiten + Anhang

Kontakt:

BUND Naturschutz in Bayern e.V.
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Pettenkoferstr. 10a, 80336 München
Tel. 089/54829863
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