
An der für die Wiederholungskartierung ausgewählten Quelle OffenhausenNordost erfolgten zwischen 2006 und 2023 insgesamt 130 Beobachtungstage mit einem Zeitaufwand von 398 Stunden Beobachtungszeit. Es wurden 2022 und 2023 insgesamt 51 Exemplare von Cordulegaster bidentata und 145 Exemplare von Cordulegaster boltonii individuell markiert. Im Gegensatz zu 2006-2009, als am Quellbach ausschließlich die quellentypische Gestreifte Quelljungfer flog, dominiert nun die Zweigestreifte Quelljungfer.
2006, 2008 und 2009 gehörten am Quellbach noch 100% der beobachteten Exemplare der Art Cordulegaster bidentata an. 2022 und 2023 (Zusammenfassung der Beobachtungen von Männchen und Weibchen) waren dagegen in der Beobachtungszeit am Quellbach 85,3 % aller beobachteten Exemplare Cordulegaster boltonii und nur 14,7 % Cordulegaster bidentata! Die Tagesaktivität von Cordulegaster bidentata ist deutlich gesunken: im Tagesdurchschnitt betrug 2006-2009 die Flugintensität (Beobachtungen von Imagines pro Minute) 0,18, in den Jahren 2022 und 2023 nur noch 0,04 – sie lag also um den Faktor 4,5 niedriger. Die Flugintensität bezogen auf die Flugzeitdekaden von Juni bis August ist ebenfalls drastisch gesunken. Als Spitzenwert werden bei Cordulegaster bidentata in der zweiten Julidekade nur noch 0,1 Beobachtungen pro Minute erreicht. Früher lag dieser Wert bei 0,27, also fast dreifach höher. Im Verhalten an der Quelle gleicht die dort neue Art Cordulegaster boltonii in vielen erhobenen Verhaltensweisen der Schwesterart. Die Körpergröße und Flügellänge beider Arten sind gleich. Cordulegaster boltonii nutzt häufiger Sitzwarten entlang des Baches. Zwischen den beiden Arten konnte anhand von markierten Exemplaren aggressives Kampfverhalten der Männchen festgestellt werden. Erstmals beschrieben wurde ein Eintauchen des Körpers im Wasser („Baden“), insbesondere an heißen Tagen.
Überraschende Ergebnisse hatte die Populationsabschätzung (Programm MARK): trotz der Dominanz von Cordulegaster boltonii lag die Populationsgröße von Cordulegaster bidentata nur leicht unter den Werten von 2006-2008. Jüngere Untersuchungen in anderen Vorkommensgebieten belegen bei Imagines ebenfalls ein gleichzeitiges Vorkommen beider Arten an Quellbächen und keine Verringerung der Population von Cordulegaster bidentata. Dies unterstützt die Schlussfolgerung, dass derzeit, ähnlich wie für die Hersbrucker Alb bereits bei den Larven beider Arten nachgewiesen, auch bei den Imagines trotz des heutigen Überwiegens von Cordulegaster boltonii keine populationsbeeinträchtigende Konkurrenz zu Cordulegaster bidentata besteht.
Ökologische Bildungsstätte Oberfranken, Frobel, K. (2024): Quelljungfern in der Hersbrucker Alb: Veränderungen von Populationsdynamik und Raumnutzungsverhalten bei der Gestreiften Quelljungfer (Cordulegaster bidentata) durch das Neuauftreten der Zweigestreiften Quelljungfer (Cordulegaster boltonii). Unveröffentlichtes Gutachten im Auftrag des Bund Naturschutz, Nürnberg. 66 Seiten.
BUND Naturschutz in Bayern e. V.
Landesfachgeschäftsstelle
Bauernfeindstr. 23, 90471 Nürnberg
Tel.: 0911/81878-0
Email: lfg@bund-naturschutz.de